Förderung der Habitateichen um „Maria Eich“

Methusalem Baum

Das Kloster „Maria Eich" in Planegg ist nicht nur ein bekannter Wallfahrtsort, es besitzt auch einen besonderen Klosterwald. Der im Bereich des Klosters anzutreffende Wald ist ein ehemaliger Hutewald, der sich durch mehr als 50 mächtige und bis zu 300 Jahre alte Eichen sowie bizarre Hainbuchen auszeichnet. Eine Untersuchung im Jahr 2015 konnte in den aufgrund ihres hohen Alters auch als Methusalem-Bäume bezeichneten Eichen 220 Holzkäferarten nachweisen, davon 88 Arten der Roten Liste.

Naturschutzfachlich von größter Bedeutung sind 8 Urwaldreliktkäferarten; darunter der Eremit (Osmoderma eremita) und der Kurzhornschröter (Aesalus scarabaeoides).

Da diese Wälder in Deutschland nur noch selten vorkommen, fehlt den Käfern bzw. Urwaldreliktarten der Lebensraum (Habitat). Sie sind akut vom Aussterben bedroht. Neben den Käfern kommen im Klosterwald 9 Fledermausarten und eine Vielzahl von Vögeln vor.

Das Gebiet hat eine herausragende Bedeutung für die Wald-Biodiversität in Bayern.

Um diese einzigartige Wald-Biodiversität zu erhalten, gründeten 2015 die Erzdiözese München und Freising, das Augustiner Kloster Maria?Eich, die Gemeinde Planegg, das Landratsamt München und der Forstbetrieb München der Bayerischen Staatsforsten AöR eine Allianz zum Schutz des Klosterwaldes „Maria Eich“. Das Leitbild des Projektes lautet: „Die nachhaltige Sicherung des naturschutzfachlich herausragenden Eichen-Hainbuchen-Waldrelikts bei Maria Eich mit seinen Methusalem-Bäumen“. Methusalem-Bäume sollen bis zum natürlichen Zerfall erhalten werden, während in der Umgebung zukünftige Habitatbäume heranwachsen.

Für dieses Konzept wurde die Allianz im Jahr 2016 mit dem Bayerischen Biodiversitätspreis (2. Platz) ausgezeichnet.

Das Konzept der dynamischen Waldentwicklung ist für die wenig mobilen Holzkäferarten überlebensnotwendig, weil damit sichergestellt ist, dass sie sukzessive in benachbarte Laubholz-Altbestände abwandern können und stets ausreichend Habitatbäume angeboten werden.

Dafür wurde ein 4-Zonen-Konzept mit einer Größe von 40 ha entwickelt, wobei die 4 Zonen unterschiedliche Bestandesalter und Entwicklungsstufen aufweisen.

Aktuell kommen die Urwaldreliktarten v. a. in einer Kernzone direkt um das Kloster vor. In der die Kernzone umgreifenden Zone 2 fand im Februar 2019 auf rd. 7 ha zum ersten Mal eine größere Pflege- und Entwicklungsmaßnahme im Rahmen des Schutzkonzeptes statt. Diese Maßnahme wurde vom Forstbetrieb München als Grundstücksbesitzer durchgeführt. Dort befinden sich wenige Methusalem-Bäume, aber viele jüngere Eichen mit Entwicklungspotenzial. Der Totholzanteil und die Strukturvielfalt sind deutlich geringer als in der Kernzone.

Ziele der Pflegemaßnahme waren:

  • Erhaltung und Förderung vitaler Methusalem-Bäume
  • Förderung zukünftiger Biotop- und Habitatbäume
  • Erhöhung des Anteils liegenden Totholzes durch Nutzungsverzicht

Insbesondere starke und besonnte Stieleichen, aber auch Rot- und Hainbuchen sowie Winterlinden bieten für die Holzkäfer mit Höhlen, Spalten und Pilzkonsolen unverzichtbare Lebensräume und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Bei solchen Bäumen wird komplett auf eine Nutzung verzichtet. Sie sind das höchste Schutzgut im Projektgebiet. Im Umfeld dieser Bäume wurden auf etwa 10 Meter aufkommende Gehölzkonkurrenten entfernt oder "geringelt" (geringelte Bäume sterben ab, wodurch wertvolles, "stehendes" Totholz entsteht). So wird die Besonnung gewährleistet und zusätzlich Totholz geschaffen. Durch diese Art der Pflege wird eine sonst nie vorhandene Strukturvielfalt zugunsten der Holzkäfer geschaffen und das kulturhistorisch bedeutsame Hutewald-Relikt erhalten.

Bei regulären Durchforstungen werden gut verwertbare und monetär wertvolle, gesunde Bäume mit viel astfreiem Holz gefördert. Bei diesem Projekt gibt es aber einen völlig anderen Fokus. Hier werden Eichen, Rot- und Hainbuchen mit Höhlen, Spalten und abgebrochenen Ästen ausgewählt und gefördert. Ihr Wert liegt in der Perspektive, dass sie zukünftig mit ihrem Strukturreichtum die Rolle der momentanen Methusalem-Bäume einnehmen können. Bei solchen Bäumen werden auch künftig sukzessive einzelne Bedränger entnommen, um die Krone zu belichten und weiter zu vergrößern.

Die bei der Pflegemaßnahme anfallenden Bäume werden zu großen Teilen nicht genutzt. Die Krone und kronennahe Stammteile verbleiben im Bestand und reichern so liegendes Totholz an. Der Totholzvorrat soll auf 70- 100 Kubikmeter pro Hektar anwachsen, was in etwa dem 10-fachen Wert der Wirtschaftswälder entspricht. Es verbleiben nicht rd. 20 %, sondern ca. 50 % der Holzmasse im Bestand und leisten einen Beitrag zur Strukturvielfalt und Biodiversität.

Auch verfahrenstechnisch unterscheidet sich der Klosterwald Maria Eich von regulär bewirtschafteten Wäldern. Um wertvolle Kleinstrukturen nicht zu beeinträchtigen, werden die Waldbestände nicht mit sogenannten Rückegassen (Fahrlinien zur maschinellen Holzbringung) erschlossen. Verwertbare, bei der Pflege anfallende Stammteile werden mit sogenannten Rückepferden aus dem Bestand transportiert.

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